Zukunft und Geschichte der Förderungen in Österreich  

Zukunft und Geschichte der Förderungen in Österreich  

9. September 2026

Was Unternehmer:innen und Führungskräfte wissen sollten

Förderungen klingen für viele nach Papierkram, Kleingedrucktem und Behördendeutsch. Dabei stecken hinter dem Begriff eine spannende Geschichte, ein cleveres System – und jede Menge Geld, das für dich als Unternehmer:in oder Führungskraft bereitsteht. Zeit, ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen. 

Seit wann gibt es Förderungen in Österreich? 

Die Geschichte der österreichischen Wirtschaftsförderung beginnt in einer Zeit, in der es dem Land alles andere als gut ging: nach dem Zweiten Weltkrieg. Am 2. Juli 1948 unterzeichneten Österreich und die USA das Abkommen zum Marshallplan, offiziell European Recovery Program (ERP) genannt. Österreich bekam Hilfsgüter geschenkt, durfte sie im Inland verkaufen und musste die Erlöse auf ein sogenanntes Counterpart-Konto einzahlen. 

1962 übergaben die USA dieses Vermögen – damals rund 11,2 Milliarden Schilling – vollständig an die Republik Österreich. Daraus entstand der ERP-Fonds, der bis heute existiert und zinsgünstige Kredite für Investitionen vergibt. Man kann also sagen: Die moderne österreichische Wirtschaftsförderung ist über 75 Jahre alt und wurde buchstäblich aus dem Wiederaufbau geboren. 

In den Jahrzehnten danach kamen weitere Bausteine dazu: 1954 die BÜRGES Förderungsbank, 1969 die Finanzierungsgarantie-Gesellschaft, 1984 die Innovationsagentur. Im Jahr 2002 wurden all diese Institutionen unter einem Dach vereint: der Austria Wirtschaftsservice (aws), die bis heute die zentrale Förderbank des Bundes für Unternehmen ist. Mit dem EU-Beitritt 1995 kam schließlich eine ganz neue Ebene hinzu – seither fließen auch europäische Fördermittel nach Österreich. 

Warum wird mit Förderungen gearbeitet? 

Förderungen sind kein Geschenk ohne Grund. Sie sind ein bewusst eingesetztes wirtschaftspolitisches Instrument. Der Staat will damit Dinge anstoßen, die sich der Markt allein nicht schnell genug oder gar nicht leisten würde: Investitionen in neue Maschinen, den Sprung in digitale Geschäftsmodelle, Forschung und Entwicklung, den Schritt ins Ausland oder die Gründung eines neuen Unternehmens. 

Dahinter steckt eine einfache Logik: Wenn Unternehmen wachsen, entstehen Arbeitsplätze, Innovation und Wohlstand. Förderungen senken das Risiko einer Investition und geben Unternehmer:innen wie dir den entscheidenden Anschub, ein Projekt tatsächlich umzusetzen – nicht nur zu planen. Gleichzeitig sichern sie den Wirtschaftsstandort Österreich im internationalen Wettbewerb, denn auch andere Länder fördern ihre Betriebe kräftig. 

Wo kommt das ganze Geld her? 

Das Geld für Förderungen kommt aus mehreren Töpfen, die parallel nebeneinander bestehen: 

  • Steuergelder des Bundes und der Länder – der größte Teil der direkten Förderungen wird aus dem laufenden Budget finanziert. 
  • Der ERP-Fonds – die „Zinsen“ des historischen Marshallplan-Vermögens fließen bis heute in günstige Investitionskredite. 
  • EU-Mittel – etwa aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF), dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) oder zuletzt aus dem Aufbau- und Resilienzplan der EU (NextGenerationEU). 
  • Landesbudgets – jedes Bundesland, auch Oberösterreich, hat eigene Wirtschaftsförderungsprogramme. 

Diese Vielfalt ist einer der Gründe, warum die Förderlandschaft manchmal unübersichtlich wirkt. Genau hier kommt gute Förderberatung ins Spiel: Sie hilft, im Dschungel der Programme das Passende zu finden. 

Haben Förderungen noch Zukunft? 

Ja – aber sie werden sich verändern. Österreich liegt mit seiner Förderquote im internationalen Vergleich seit Jahren im oberen Drittel der EU-Staaten. Angesichts der angespannten Budgetlage hat die Bundesregierung 2026 eine „Förder-Taskforce“ eingesetzt, die die gesamte Förderlandschaft neu ausrichten soll. Das Ziel: weg von der „Gießkanne“, hin zu zielgerichteten, zeitlich befristeten und regelmäßig evaluierten Programmen. Bis 2029 sollen so mehrere Milliarden Euro eingespart werden. 

Für dich als Unternehmer:in heißt das nicht, dass Förderungen verschwinden – im Gegenteil, sie bleiben ein zentrales Instrument der Wirtschaftspolitik. Aber sie werden fokussierter, kompetitiver und stärker an klaren Zielen wie Digitalisierung, Klimaschutz und Innovation ausgerichtet. Wer gut vorbereitet ist und weiß, wo man ansetzen muss, hat also weiterhin sehr gute Chancen – vielleicht sogar bessere, weil weniger Mitbewerber:innen die Möglichkeiten überhaupt kennen. 

Wie viel Geld fließt tatsächlich – und was ist beliebt? 

Jetzt wird es konkret. Allein der Bund zahlte 2024 rund 12,6 Milliarden Euro an direkten Förderungen aus – ein Plus von 11,5 % gegenüber dem Vorjahr. Hinzu kommen weitere rund 26,7 Milliarden Euro an indirekten Förderungen, also Steuererleichterungen wie der Familienbonus Plus oder die Forschungsprämie. Insgesamt gibt Österreich damit etwa 6,7 % seines Bruttoinlandsprodukts für Förderungen aus – das ist deutlich mehr als der EU-Durchschnitt von rund 5,1 %. 

Auch auf Länderebene wird kräftig investiert: Der Förderbericht des Landes Oberösterreich weist für 2024 Förderungen in Höhe von rund 2,4 Milliarden Euro aus – über alle Bereiche hinweg, von Wirtschaft über Soziales bis Landwirtschaft. 

Und welche Förderungen sind bei Unternehmen besonders gefragt? Ganz vorne dabei: 

  • aws-Programme des Bundes wie aws Digitalisierung, aws Garantie, der aws Gründerkredit sowie Preseed- und Seedfinancing für Start-ups. 
  • Forschungsprämie und FFG-Förderungen für Unternehmen, die in eigene Forschung und Entwicklung investieren. 
  • Digitalisierungsförderungen wie KMU.DIGITAL der Wirtschaftskammer, inklusive spezieller Förderschienen für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. 
  • Internationalisierungsförderungen wie der Internationalisierungsscheck oder go-international, die den Schritt auf ausländische Märkte erleichtern. 
  • Landesspezifische Programme, etwa von Upper Austrian Research in Oberösterreich, die regional zusätzlich zu Bundesförderungen ansetzen. 

Dein Fazit als Unternehmer:in 

Förderungen sind kein Zufallsprodukt, sondern ein über 75 Jahre gewachsenes System mit klarer Absicht: dich und dein Unternehmen beim Wachsen zu unterstützen. Auch wenn sich die Landschaft gerade neu ordnet, bleibt eines gleich – wer die Programme kennt und strategisch nutzt, verschenkt kein Geld. Es lohnt sich, jetzt hinzuschauen und die für dich passenden Fördertöpfe anzuzapfen, bevor sich die Rahmenbedingungen weiter verändern. 


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Fotocredit: ChatGPT

Quellen u. a.: Bundesministerium für Finanzen (Förderungsbericht 2024), Land Oberösterreich (Förderbericht 2024), Austria Wirtschaftsservice (aws), Parlamentskorrespondenz, Wikipedia (ERP-Fonds, Marshallplan).